Freitag, 25. Juli 2014

Kinder sind schrecklich. Ich hätte gerne noch mehr.

Ja, ich habe drei, sie sind furchtbar anstrengend, in jeder Phase ihrer Entwicklung, sie bringen mich an den Rand des Wahnsinns – ich liebe sie. 


Der  sekundenschnelle Wechsel zwischen – „ICH HASSE DICH!!!“  Und  „… ach, allerallerliebste Maaamaaa, hab ich dir heute schon gesagt, wie SEHR ich dich liebe?“
Oder das Kreischen nach dem Papa, wenn man sie ins Bett bringen will (… könnte ja sein, dass ER sagt  „Klar! Lass die Kinder bis in die Puppen wach bleiben, heute feiern wir, SAMBA und Caipirinha für alle!“ )

… man kann es versuchen, denn realistisch gesehen besteht die Chance. Nicht. 

Aber Kinder haben ja genug Energie, um sie in UNMÖGLICHE PROJEKTE zu investieren. Ständig. 

Kinder sind der Hammer. Eine ganz neue Dimension. Eine Art Bewusstseinserweiterung. Eine Sprengung der Grenzen – direkt  und schonungslos. Sekündlich. Ohne Vorwarnung. Und dabei so charmant. Ihr Glück.

„Sobald ich kann, ziehe ich hier aus“
„Ok Kätzchen, kannst du trotzdem in der Nähe bleiben, ich vermisse dich sonst so.“
„Hm, naja ok Mama, du kannst ja dann auch bei mir wohnen.“ 



Man schwankt zwischen Freud und Leid und sie können der Natur danken, dass ein einfaches Lächeln jede Mutter zum Schmelzen bringt. Wurde wohl auch extra so eingerichtet. Schätze ich.

Ich amüsiere mich köstlich über die Nachrichten per SMS oder Messenger: 

"Mama, kann ich eine Party machen? Ich lade auch GANZ wenig Leute ein.“ 
Ihr erahnt meine Antwort? „ Hahahahaha … NEIN???“


Oder diese:

Sie: „Mama, bitte installier´ BuddyPoke.“
Ich: „Noch eine Anwendung? Ach, nein.“

Sie: „Bitte.“
Ich: „Wozu?“
Sie: „Dann kann ich Dir Emotionen senden.“

Ich: „Ah Kätzchen, die brauchst Du nicht senden, die kannst Du mir auch gleich direkt zeigen – ich bin auf dem Heimweg und in 5 Minuten bei dir.“
Sie: „Nein Mama schau, das sind Emotionen für zwischendurch, wenn wir uns tagsüber nicht sehen. Ich schicke Dir dann zum Beispiel Liebe.“

Ich: „Oh, ok ... das klingt toll … Emotionen für zwischendurch - na dann unbedingt, warte – ich installiere es gleich, dann kannst du mir Liebe senden.“

Ich sterbe vor Liebe.



Sie können aber auch wirklich fies werden.

Die Große zur Mittleren, die sich weigert, Sonnenmilch zu verwenden:
"Schau mal. Wenn Du Dich nicht eincremst, dann STIRBST du."

"Neiiiiiin, wenn ich mich eincreme, dann kann ich eine halbe Stunde nicht ins Wasser!"

"Ok, was ist dir lieber? 30 Minuten warten oder sterben?"
".................. ich warte."

Ach ja, vieles regelt sich von selbst, wenn die Kinder mit Geschwistern oder Freunden zusammen sind. Sie quatschen da ja auch nicht lange drum herum. Ich habe schon öfter gefragt, ob es sie nicht irritieren würde, wenn ich meine Freundin kneifen würde, nur weil ich sauer auf sie bin.

Irgendwann habe ich mal vor ihnen zu einer Freundin gesagt: „Dann bist du nicht mehr meine beste Freundin!“ Ha, ihr hättet ihre Gesichter sehen sollen – Erwachsene können sowas nicht sagen, SIE schon. Warum?

Mit der Zeit arbeiten sie natürlich an ihrer Argumentation und werden verdammt geschickt.

„Kätzchen, wenn du jetzt mit der U-Bahn alleine in den Shoppingcenter fährst  …  wie kann ich sicher sein, dass ihr da keinen Unsinn macht?"
"Naja Mama, ein bisschen musst du mir schon vertrauen. Und deiner Erziehung."

Knockout.


Das Geräusch zerberstenden Glases oder das Poltern fallender Möbel, bei dem jede Mutter sofort die Schreckensvision eines unter dem Schrank begrabenen Kindes vor sich sieht …  und sofort danach der engelsgleiche Ausruf mit sanftem Stimmchen „Niiix passiiiiert!“ 



Vom Herzstillstand zu Herzklopfen vor Rührung … oder resigniertem Kopfschütteln.

Es ist die Bindung. Ihr kennt es doch auch – irgendwann fahren sie eine Woche zur Oma oder in Schulfreizeit und man freut sich wahnsinnig, dass man ENDLICH seine Ruhe hat, malt sich aus, was man alles macht in der Zeit. Und ungefähr 18 1/2 Minuten nach ihrer Abreise fängt man an, sie so SCHRECKLICH zu vermissen … die nervtötenden Fragen, das Geschrei, die schlechte Laune, aber auch dieses MAAAMAAAA, kannst du … , oder die schnelle Umarmung, das gepflückte Blümchen, die Anrufe, das: Mama sag mal, wie war den dein Tag heute?

Ein Wechselbad der Gefühle – anstrengend sind nicht der Lärm, die Unordnung, die Elternabende oder die Fahrten zum Schwimmunterricht, die Extrabesuche bei Lehrern, weil das Kind etwas SEHR SCHLIMMES gesagt hat, sondern das Hin und Her, dieses „was ist ihnen JETZT schon wieder eingefallen“ und im nächsten Moment „oh Gott sind sie lieb (in dieser Sekunde)“.

Ich altere schubweise. Verlasst euch nie auf trügerische Ruhe. Ruhe ist verdächtig. Sehr. In JEDEM Alter.

Als ich noch nicht wusste, ob ich überhaupt Kinder bekommen kann, habe ich mir immer gedacht:  Dann hätte ich gerne zwei Doggen. Die hätte ich heute noch gerne – aber wir haben keinen Platz mehr. 

Haustiere brauchen übrigens kein eigenes Zimmer, sie freuen sich IMMER einen zu sehen, widersprechen nie und haben immer Zeit zum Zuhören.



Nun ja, es sind keine Doggen geworden, sondern drei Mädchen.







Dienstag, 22. Juli 2014

Herr erbsünde - der geduldigste Mann der Welt. Jedenfalls meiner Welt.



Die wenigsten wissen, wer außer mir auch noch hinter den erbsünde-Schnitten steckt. Es ist mein wunderbarer Mann Alex. Ohne ihn könnte ich das gar nicht so perfekt umsetzen, denn er macht aus meinen Handzeichnungen das, was ihr später in den Händen haltet: Schnittmuster, deren Linien millimetergenau aufeinander passen und die so übersichtlich sind, dass sie jeder ganz schnell und leicht aneinanderkleben kann.    

Als Brasilianer mit Muttersprache Portugiesisch baut er gerne mal Zusatzbuchstaben in Wörter ein, wie z.B. „Schnittkannte“ oder „erbsündschen“. Jetzt wisst ihr, woher das kommt. 

 

Er ist der geduldigste Mensch der Welt, der auch noch die tausendste Änderung einarbeitet, der vor der Veröffentlichung die Nächte durcharbeitet, damit die Schnittmuster rechtzeitig in den Shop kommen. Natürlich geht das nicht ganz ohne Kommentare – ich zitiere: „Ich liebe dich sehr Cara Mia, aber du gehst mir wahnsinnig auf die Nerven.“ Aber das weiss ich ja selbst schon – ich gehe mir manchmal selbst auf die Nerven :)

Eigentlich ist er ja Architekt und hat mit caffeina sein eigenes Architekturbüro hier in München. Aber er kann nicht nur Häuser bauen, sondern eben auch Schnittmuster digitalisieren. Und Logos entwerfen. Und Notebooks, die im Regen standen wiederbeleben, ohne dass Daten verloren gehen. Und meine Autoreifen wechseln. Und kochen. Und mich mit unqualifizierten Sprüchen und Kommentaren ablenken, wenn ich kurz vor einer Veröffentlichung wieder ultra nervös bin.

Amor, du bist der Beste. Danke.


Mittwoch, 16. Juli 2014

Pubertät - Trotzphase ... EINER GEHT NOCH!

Pupertät und Trotzphase - Oder: Einer geht noch

Ich habe drei Töchter. Sie sind 15, 13 und 2 Jahre alt.
Dies kann man auslegen, wie man mag, ich bin grundsätzlich SEHR, SEHR glücklich damit.

Kommen wir aber zum Kern:  dieser ist geschlechterunspezifisch … meine Töchter befinden sich teilweise in der Pubertät und in der Trotzphase.
Ich bin 43 Jahre alt, habe mein erstes Kind mit 28 und mein drittes mit 41 bekommen … dazwischen liegen 13 Jahre. Wir haben also den Zyklus eingeholt … Pubertät trifft auf Trotzphase und ich … ich bin mittendrin.
             

Richtig, das klingt grausam. Und es klingt nicht nur so, es IST grausam.
Was ich JETZT brauche sind gute Nerven … oder eine Großpackung Baldrian und Hopfen oder eine gute Flasche Wein. Ich variiere.
Ich erlebe täglich die bunte Vielfalt an Emotionen:  Wut, Enttäuschung, Hass, unendliche Liebe, Leiden, Trauer, überschäumendes Glück, totale Euphorie, komplette Niederlage, Frustration, Euphorie  … 

Nun drücken es 2jährige und Teenies zwar unterschiedlich, aber trotzdem immer noch laut und irgendwie auch gleich aus. 

  • Totaler Zusammenbruch (Weinen, Kreischen, Hinschmeissen – das allerdings eher im Alter 2-3)
  • Beschimpfungen (je nach Alter mehr oder weniger klar und wüst)
  • Wegstampfen (bevorzugt die Treppe hoch, wer das schon kann)
  • Dinge herumschmeissen (alle)
  • Ablehnung und Hass (nein, ich will gar nichts mehr, keine Nahrung, keine Liebe, gar nichts – ich HASSE DICH!)
  • Blockade (Ich spreche nicht mehr mit dir – ich ignoriere dich total … hallo!!! Siehst du das nicht???!!!!)
Schlimm? OH JA! Ich tue mir selbst leid. Sehr sogar. Denn ich bin wirklich bemüht, alle Probleme zu klären, aber DAS übersteigt meine Kompetenzen und Kräfte. Und Nerven.  Aber: ommmmm ….

In diesen beiden Phasen ist eine Konversation unmöglich. 

Bei Nr. 3 (Alter 2) wegen mangelndem Konsequenzbewusstsein, bei Nr. 1 (Alter 15) wegen der hormonellen Wut … Egal, reden geht nicht, die Wut muss raus.
Was mache ich also – als Mutter, als Mensch, der einfach nur überleben will?
Ich versuche zu irritieren. Ich habe mal gelesen: irritiere deinen Feind und du hast gewonnen. Fand ich gut - also: ausprobieren.




Gut – wir sind im Krieg, also:
Kind 1 (15 Jahre alt – Pubertät)  – Gespräch folgend:

Sie schneidet mit einem Riesenmesser eine Melone auf.
Sie: Mama, was würdest du machen, wenn ich mir jetzt die Pulsadern aufschneiden würde?
Ich: Äh, ich würde dich verhauen? (Nicht dass ich das jemals tun würde, aber diese Antwort war genau so skurril wie die Frage)
Stille.
Ich: Warum fragst du?
Sie: Nur so.
Ich: Weisst du denn wie du das machen musst?
Sie: Ja, so! (Querbewegung über dem Handgelenk)
Ich: Das ist leider falsch, quer passiert da gar nix ... du musst längs schneiden, entlang der Vene.
Sie: Oha!!! Mama!!! Hör mal auf! Das ist eklig. Wieso erklärst du mir das???
Ich: Das hat mir deine Oma auch erklärt.
Stille.





Kind 3 (noch keine 2 Jahre alt – Trotzphase) – Gespräch nicht möglich:
Sie will einen Becher Wasser – NICHT um ihn zu trinken, sondern, um ihn im Raum zu verteilen.
Ich: Nein, du kannst das Wasser trinken, aber nicht verschütten.
Sie: Brüllt
Ich: Wenn du keinen Durst hast, dann stelle ich den Becher weg.
Sie: Brüllt
Ich: stelle den Becher weg
Sie: Brüllt mit nach hinten gelegtem Kopf, total dramatisch
Ich: sitze neben ihr, während sie brüllt und schaue ihr interessiert zu , wie lange sie das durchhält.
Sie: Brüllt, während sie aus dem Augenwinkel beobachtet , was ich mache
Ich: warte
Sie: brüllt lauter
Ich: warte
Sie: brüllt leiser
Ich: wollen wir ein Buch lesen?
Sie: rennt los und holt ein Buch

Ich habe inzwischen gelernt, dass sich die Trotzphase einfach nur wiederholt  und die Kinder (leider) bei der zweiten Phase (Pubertät) einfach schon fließender sprechen und besser argumentieren können. Das macht das Ganze nicht besser, nur anstrengender. Und anders. Ich liebe ja Abwechslung. Juhu.
Man muss da leider durch.



Meine Mutter (die mir mal während meiner Pubertät in höchster Wut gesagt hat: Du wirst die Kinder kriegen, die du verdienst!!!) hatte mal wieder Recht: Ich habe die Kinder bekommen, die mir genau so einen Stress machen, wie ich ihr damals. Aber ich habe auch von ihr gelernt: ganz ruhig bleiben, auch wenn es schwer fällt. Lass dir nichts anmerken … ommm … es gibt nichts, was du noch nicht gesehen hast … ommm 
Nunja. Irritiere sie. Überlebe.

Ich hoffe, ich stehe das durch – ich habe erst 1/3 meiner Kinder fast durch beide Phasen durch.
Aber ich schaffe das. Wünscht mir Glück. Und gute Nerven.
 
Linking to the HOST

Samstag, 12. Juli 2014

Liebeserklärung an meine Probenäher

Ich liebe meine Probenäher.


Probenäher werden viel zu wenig gelobt.
Da sind Frauen, die sich in ihrer spärlichen Freizeit (oder wenn sie organisatorisch besonders begabt sind und Nerven wie Stahlseile haben, auch in Anwesenheit ihrer Kleinkinder, was noch bewundernswerter ist) an die Maschine setzen und für ebook-Ersteller einen neuen Schnitt testen. Einfach so.

Es wird genäht, ausprobiert, neue Ideen werden beigetragen, Kritik angebracht, sich ausgetauscht und zu guter Letzt werden noch Fotos und Collagen gemacht, um das Ergebnis zu präsentieren. Und meistens wird nicht nur ein Teil genäht – viele meiner Probenäherinnen stellen in der Probenähphase bis zu sechs Teile her, eins schöner, als das andere.

Es werden natürlich nicht nur Nähthemen besprochen, denn man verbringt ja doch viel Zeit miteinander.



Und dann kommt schließlich die heiße Endphase, in der die ebook-Erstellerin am Rande des Nervenzusammenbruchs steht, da sie ja auch noch Kinder, Job und sonstiges um die Ohren hat und sowieso langsam aber sicher immer nervöser wird, je näher der Veröffentlichungstermin rückt – sie wird aufgeheitert, ihr wird Mut zugesprochen, sie wird gelobt und virtuell in den Arm genommen... 


So etwas schweißt zusammen.

Ich habe eine feste Probenähgruppe und doch nehme ich jedes Mal neue hinzu – sei es, weil nicht jeder aus meiner Gruppe Zeit hat, weil einzelne Probenähgrößen nicht besetzt sind, oder weil ich einfach durch Zufall auf Facebook ein Profil finde das ich so unglaublich interessant finde, dass ich unbedingt wissen möchte, wie diejenige  meinen Schnitt umsetzen würde. Ich sammle sozusagen wundervolle, kreative, eigenwillige und interessante Menschen.  Manche haben gar keine Facebook Seite, manche haben eine mit 30 Fans, manche haben 3.000. Wer meine Seite verfolgt weiss, dass ich keinen Wert auf Oberflächlichkeiten lege, sondern auf den Mensch dahinter. Und wenn man genau schaut, findet man so viele wunderbare Frauen, die wahnsinnig kreativ sind. 

Ohne unsere Probenäher wären wir ebook-Ersteller einfach nichts – denn der Weg von der Idee bis zum fertigen ebook ist lang. Angefangen beim ersten Geistesblitz (der mich meist trifft, wenn ich meine Jüngste länger als 15 Minuten in den Schlaf singen muss), über die erste Zeichnung, die Anpassung der verschiedenen Größen, die Aufnahme von Extrawünschen oder neuen Ideen, über die Digitalisierung des Schnittes, des erneuten Nähens zur finalen Kontrolle, der Anpassung des Schnittes, bis hin zum Schreiben der Anleitung … am Tag der Veröffentlichung schwöre ich mir jedes Mal, dass ich nie, nie, nie wieder ein ebook herausbringe. Einfach nur Ruhe ... entspannen ...


Und dann ist da nach ein paar Wochen oder Monaten (je nach Grad meiner Erschöpfung)  wieder diese Idee, gefolgt von einem ersten genähten Beispiel, dem vorsichtigen Anfragen bei meinen Probenähern, wie sie das finden … die Begeisterung von ihnen, das: wann können wir anfangen??? … und … weiter geht’s, ich bin wieder Mitten drin.

Ach ja, ich liebe sie, meine Probenäher.
Danke, Mädels!!!