Montag, 23. Februar 2015

So ein Tag bei erbsünde.

Viele meiner Freunde fragen sich, was ich so den ganzen Tag mache, warum ich so wenig Zeit habe ... ich versuche mal einen kleinen Einblick zu geben, aber ich bin mir sicher: Mein Tag unterscheidet sich kaum von eurem. 

Viele Gedanken, viel Arbeit, so viele neue Ideen und viel zu wenig Zeit für das, was ich alles machen möchte. Aber viel, viel Lächeln und kleine Glücke. 


Morgens werde ich schon sehr, sehr früh wach und weil mir zu viel durch den Kopf geht das mich nicht schlafen lässt, stehe ich einfach gleich auf. Meist sind das 1 – 3 Stunden, bevor die Kinder aufstehen müssen und ich genieße die Ruhe bei einem Kaffee – oder zwei. Dabei werden die ersten Nachrichten und Mails von euch gelesen und – soweit es geht - beantwortet.


Meine Großen machen sich für die Schule fertig und sind dann unterwegs – das erbsündchen muss geweckt werden. Langsam und schonend bitte. Eigentlich am liebsten gar nicht. Die Aussicht auf ein Nutellatoast lässt sie meist mit einem dramatischen Seufzer aus dem Bett kommen. 


Im Gegensatz zu mir, die morgens eigentlich am liebsten überhaupt nicht sprechen würde, fängt sie aber in dem Moment, in dem sie ihren Fuß auf den Boden stellt an, wie ein Wasserfall zu reden. Leider nicht nur rhetorisch – sie stellt Fragen und erwartet Antworten. Sind sie ihr zur lapidar, hakt sie nach. Penetrant. Also lieber gleich ausführlich antworten. 

Vormittags arbeite ich in einer Werbeagentur, kümmere mich um die Administration, Organisation und um die PR. 


Mittags hole ich dann das erbsündchen ab und wir fahren nach Hause. 
Natürlich weiss jeder, der mit Kindern im Alter von 2 bis 4 zu tun hat, dass eine Strecke von 10 Metern zum Auto durchaus auch mal 20 Minuten dauern kann. Denn es gibt wichtige Dinge zu besprechen und Eindrücke zu verarbeiten. Dinge wie: "Oh, was ist das!?!?!?!" "Das ist Lärm von der Baustelle da vorne mein Schatz, alles gut." "Schau! Ein Bagger!!!" "Ja, da ist ein Bagger. Bitte komm weiter, Mama hat keine Regenjacke an." ... zwei Schritte vorwärts ... "Oh nein!!!" "Was?" "Mein Gisbert!" "Alles gut, Gisbert ist hier, ich hab ihn eingepackt." Gut. Zwei Schritte weiter. "Mama?" "Ja." "Ein Bagger!!!" "Ach ja stimmt. Der Bagger."
Manchmal überlege ich, ob ich nicht einen Campingstuhl mitnehme.


Auch im Auto wird viel geredet – wobei die Konversation diesmal von mir ausgeht, denn jetzt ist das erbsündchen müde und ICH bin fit ... und  - ich gebe zu -  ich räche mich ein bisschen. Sie lässt sich nicht irritieren, schweigt oder gibt einsilbige Antworten, wie auf meine Frage, was es zum Mittagessen gab: „Soße.“ Ahja. Reicht mir nicht. Ich hake nach - DA bin ich konsequent. Empörte Blicke.

Manchmal nimmt sie mich aber auch einfach nicht ernst und lacht mich aus. Wie auch immer die Fahrt verläuft, ich gehe nicht als Gewinner daraus hervor. Aber ich komme sehr gut unterhalten daheim an.



Am Nachmittag beantworte ich eure Nachrichten und Anfragen, eure Bestellungen und Wünsche. Mache Buchhaltung, versende ebooks, arbeite an den neuen Schnitten, fotografiere … und natürlich sind da noch die geliebten Menschen und Tiere, die mit mir leben, also  gehe ich zum Tierarzt (der wasserversessene Labrador Sissi hat ständig Ohrenentzündungen), kontrolliere Hausaufgaben, frage Französischvokabeln ab, telefoniere mit Lehrern um sie davon zu überzeugen, dass meine Kinder perfekt sind, so wie sie sind - wenn auch anders als die Norm-, gehe schnell noch einkaufen … und zwischendurch spreche ich mit Herrn erbsünde via Facetime und habe das Gefühl, er ist bei mir. 


Sowieso ist Herr erbsünde meine Energiequelle. Mein Einundalles. Derjenige, der meine Bedenken mit einer Handbewegung, einer wortlosen Umarmung, einem Kuss oder einem blöden Spruch wegwischen kann.

 


So profane Dinge wie Wäsche – und ich rede bei 5 Personen von Wäschebergen – erledige ich am Wochenende. Das erbsündchen liebt den Wäschekeller (ich habe euch von ihrer Affinität zu Waschmaschinen bereits berichtet) und so sind wir zwei beide meistens gemütlich am Sonntag Morgen um 7.30 Uhr, während der Rest der Familie schläft, am Sortieren, Waschen, Trocknen und Aufhängen. Das erbsündchen ist nicht untätig, sie hängt die kleinen Sachen auf einen Extraständer, den ich für sie gekauft habe. An dieser Stelle zeige ich kurz wie das aussieht: das Kleidungsstück wird als Klumpen mit einer Wäscheklammer festgepinnt. Aber hey – der gute Wille zählt. Und trocken wird es so auch allemal, auch wenn es länger dauert. Und später kann man es ja mit viel Liebe glattstreichen.

 
Dabei hält sie gestern meine Unterwäsche hoch und da sie das Wort dafür noch nicht  kennt (sie trägt ja noch Windeln) sagt sie ganz gewichtig: „Das isse Kleid für Mamas Popo“.
Da vergesse ich, dass es Sonntag Morgen 7.45 Uhr ist und ich eigentlich viel lieber im Bett liegen würde. Das nächste Höschen-ebook möchte bitte "Kleid für Mamas Popo" genannt werden.

Sowieso ist man ja mit einem Kleinkind nie alleine (mit einem Mops übrigens auch nicht) … sie folgen einem bis ins Bad. Ich darf derzeit an einer sehr bereichernden Entwicklungsphase teilnehmen. Das erbsündchen besteht darauf, mir das Toilettenpapier zu reichen. Dazu nimmt sie ein (!) Blatt, formt es sorgfältig (das dauert) zu einer kleinen Kugel, reicht mir diese und sagt ganz bestimmt: Abputzen! 


Während ich warte denke ich darüber nach, ob ich mich geschmeichelt fühlen darf. Und warte weiter ... wie so oft auf etwas, was ich viel schneller selbst machen könnte, aber bei meinem Gegenüber einen solchen Stolz erzeugt, dass es die Zeit wert ist. Die ich eigentlich nicht habe. 

Das ist mein Tag. Ich liebe jede Sekunde davon.




Montag, 16. Februar 2015

Wenn sparen so richtig teuer wird – oder: Noch viermal singen, dann ist Mama wieder da*


Ich komme mal auf ein Thema zurück, das ich schon öfter angesprochen habe und von dem ich eigentlich dachte, dass es nun auch der allerallerletzte Mensch verstanden haben müsste: das Urheberrecht. 


In diesem Fall geht es um Bildrechte sowie um die Rechte an Schnittmustern, Plotterdateien, Tutorials .... und - wo wir so nett beisammen sind ... erweitern wir doch einfach noch um die Urheberrechte an Stickdateien, Entwürfen, Zeichnungen, Fotos, Texten ... etc.

Ausgangspunkt noch einmal zur Sicherheit: Die Nutzung von Fotos, Zeichnungen oder Texten aus dem Internet und die Weitergabe und der Tausch von ebooks und anderen Dateien sind verboten. Wer es dennoch macht begeht eine Straftat, die rechtlich verfolgt werden kann. Übrigens steht dieser Hinweis auch in und auf jedem ebook und jeder Plotter- und Stickdatei.Und auch alle Fotografen, Designer und Künstler weisen darauf hin.

Und nun kommen wir zum spannenden Teil, denn diesmal möchte ich mich auf die Folgen beziehen:

Die Tat kann nicht nur, sie WIRD auch strafrechtlich verfolgt. Denn inzwischen sind alle Betroffenen es mehr als leid, sich ständig zu wiederholen.

Gestern Abend wurde ich Zeuge, wie in einer geschlossenen Gruppe lustig und munter ebooks meiner Kolleginnen getauscht wurden. Ob aus Dummheit oder Ignoranz – inzwischen ist es egal und Sprüche wie: „Normalerweise darf man ebooks nicht tauschen, aber hier darf man das ja“, lassen einen sprachlos werden. 


Wir gründen einfach eine Facebook- oder Whatsapp-Gruppe und haben eine rechtsfreie Zone. Klasse. Und nicht auszudenken, was dies für sonstige Konsequenzen (auch in anderen Bereichen) haben könnte. 

Auch schön sind Kommentare wie „Wenn ich jedes ebook kaufen müsste, wäre ich arm." Ah, interessant! Werden der Stoff und die Nähmaschinen dazu denn eigentlich auch geklaut? Denn - bitte entschuldigt die Ausdrucksweise - nichts anderes ist es.
Wie wäre es mit Alternativen? Dass es genügend Freebooks gibt für diejenigen, die sich nicht JEDES Schnittmuster kaufen können oder dass man nicht JEDES ebook haben muss, sind scheinbar keine.

Wenn ich mir etwas also nicht leisten kann, dann beschaffe ich es mir kostenlos. Klingt zunächst nach einem wahnsinnig spannenden Lösungsansatz.

Aber leider nur zunächst – denn durch den Tausch und die Weitergabe von ebooks und anderen Dateien wird es nämlich erst so richtig teuer. Mit den Beträgen, die demnächst einige Anwälte in Rechnung stellen werden, könnten sich die Betroffenen geschmeidig jedes ebook kaufen, dass es auf dem Markt gibt und eine richtig fette Bernina dazu.

Ich kann nur hoffen, dass sich die Damen das Geld, was sie vermeintlich "gespart" haben, schön Beiseite gelegt haben. Denn dass so etwas immer rauskommt, weiss hoffentlich jeder. Und dass Screenshots existieren, die Adressen zu den Namen schnell gefunden sind und so das Ganze zu einem Fest für die Anwälte wird, die wahrscheinlich gerade alle ihren Sommerurlaub in der Karibik planen, ist wohl hoffentlich auch klar. 

Somit macht man mit der Nutzung von Bildmaterial ohne (übrigens schriftliche) Erlaubnis oder mit dem Tausch und der Weitergabe von ebooks und anderen Dateien (auch teilweise) kein Schnäppchen ... weit gefehlt.

Es ist richtig, richtig teuer.

Gut, wer also noch immer nichts mit dem Begriff Urheberrecht anfangen kann oder meint, man könnte ganz kreativ eigene Regeln stricken, der sollte sich dringend mit dem Thema auseinandersetzen. Oder anfangen zu sparen.

Ergänzend möchte ich noch auf den Beitrag von BellaBunt hinweisen, die noch ein paar – nicht unwesentliche Punkte aufgegriffen hat – wie zum Beispiel die Tatsache, dass die ebook Ersteller von ihrem Job LEBEN und ihre Familien damit ernähren.

Auch im Namen meiner Kolleginnen danke ich allen, die ebooks durch den offiziellen Kauf legal erwerben. Ihr beweist damit euren Respekt - uns und unserer Arbeit gegenüber. Danke. 

*Wer mit dem Titel nichts anfangen kann, kann mal nach einem Video suchen mit den Stichworten „Noch viermal singen, Papa“

Mittwoch, 11. Februar 2015

Bücher - meine zweite Leidenschaft

Meine zweite Leidenschaft – neben dem Nähen – ist das Lesen.
Ich lese für mein Leben gern. Es entspannt mich, lenkt mich ab. Wenn ich nachts aufwache und anfange zu grübeln, lese ich … und schlafe nach kürzester Zeit wieder ein.


Es gab Zeiten, da haben sich meine Eltern Sorgen gemacht, weil meine Freundinnen auf Parties gegangen sind und ich daheim mit einem Buch saß – gut, die Zeiten haben sich dann auch geändert, ich habe zwischenzeitlich ein paar Jahre durchgefeiert, aber dann las ich schon wieder.



Nichts geht über ein gutes Buch, je mehr Seiten desto besser. Einen 650-Seiten Schinken verschlinge ich im Urlaub in 2-3 Tagen. Ich lese schnell und da die Zeit knapp ist (ich habe ja Kinder, ihr erinnert euch ...), habe ich mir die „Seitenquerlesetechnik“ angeeignet. Ich kann von oben links nach unten rechts über die Seite scannen und habe trotzdem alles mitbekommen. Das ist kein Genuss, aber ich lese und kriege auch die ganze Geschichte mit. Darum geht es. Mir.

Besonders gerne mag ich Pathologiethriller. Angefangen von Patricia Cornwell (Kay Scarpetta) über Tess Gerritsen bis hin zu Simon Beckett. Gerade lese ich die Lacey Flint-Reihe und besonders toll fand ich die Frieda Klein Bücher von Nicci French. 

In der Realität würde ich in einer Leichenhalle mit Sicherheit in Ohnmacht fallen. Aber in der Theorie weiß ich genau, wie man eine Leiche seziert und woran man anhand der Entwicklungsstadien der Maden den ungefähren Todeszeitpunkt rekonstruieren kann. Theoretisch. Außerdem habe ich inzwischen einen sehr guten Überblick über alle Serienmörder weltweit und worauf man achten muss, wenn man ein perfektes Verbrechen begehen will. Schadet ja nicht.



Lange Zeit habe ich mich gegen den Kindle gewehrt. Ich wollte immer ein richtiges Buch in der Hand halten. Die Seiten umblättern können, Eselsohren dort machen, wo ich gerade aufgehört habe zu lesen und es in mein Regal stellen, wenn ich damit fertig bin. 

Bis ich einen Kindle Paperwhite von meiner Schwägerin (Danke, Baby!) geschenkt bekommen habe. Er lag eine Weile unbenutzt da bis zu dem Abend, ein Sonntag, an dem ich mein letztes Buch gelesen hatte und nicht schlafen konnte. Also habe ich ihn hervorgekramt und seitdem bin ich Kindle-Fan. Einige wissen, wie sehr ich dagegen war, aber inzwischen muss ich zugeben: es geht nichts über dezent hintergrundbeleuchtete Seiten, die in der Dunkelheit nicht blenden, wie zum Beispiel eine Taschenlampe. Ganz übel, wenn man danach das Licht ausschaltet und noch immer die Buchstaben vor dem inneren Auge herumtanzen hat … Mit im Bett schlafende Personen (Mann … Kinder?) werden durch das sanfte Licht nicht geweckt und man kann jederzeit dort weiter lesen, wo man aufgehört hat, auch wenn einem der Kindle beim Einschlafen aus der Hand geglitten ist. Und vor allem: habe ich mein Buch am Sonntag Abend fertig gelesen kann ich mir sofort die nächste Folge der spannenden Buchreihe downloaden und direkt weiterlesen.

Ich liebe Wörter, ich liebe Sätze, ich liebe den Feinsinn hinter Formulierungen.
Worte können so sexy sein.


Ich weiss, viele von euch sagen (noch): auf GAR keinen Fall! Ich will Papier zwischen den Fingern haben und den Geruch der Druckerschwärze in der Nase!
Hier möchte ich übrigens anmerken, dass es Büchergeruch in Sprayform gibt – wie sinnvoll das ist, sei dahingestellt.

Nunja. Ich gehe jetzt jedenfalls nirgendwo mehr ohne meinen Kindle hin – denn ich habe Millionen von Büchern dabei – kann überall und in jeder Situation anfangen zu lesen – für eine Minute oder eine Stunde oder (schön wäre es) eine Woche  – kann mitten in der Nacht ein neues Buch kaufen oder über Amazon Prime ausleihen und geschmeidig meine Augen schließen, wenn mich der Schlaf übermannt. Denn beim Aufwachen muss ich ihn nur einschalten und bin wieder genau da, wo ich aufgehört habe zu lesen.

Ich lese sogar wieder die Klassiker, die ich in der Schule gelesen habe, wie "Bel Ami" von Maupassant, oder "Emilia Galotti". Jetzt muss ich das Buch ja auch nicht mehr analysieren. 


Ich liebe meinen Kindle.

Habt ihr auch einen? Und was lest Ihr so – generell?