Montag, 30. März 2015

Ommmm ....

Es ist ja nicht so, als hätte ich nicht gewusst, was auf mich zukommt.
Es ist ja nicht mein erstes Kind.
Ich bin eigentlich total erfahren - als 44-jährige Frau mit drei Kindern kann mich nur wenig erschüttern. 

Aber.


Wenn ich jetzt mal vergleiche - weil ich es kann:
Die Trotzphase einer fast Dreijährigen ist um Welten schlimmer, als die Hochpubertätsphase einer 15-jährigen.

Warum? Weil eine Dreijährige in erster Linie nicht denkt. Sie empfindet. Die Erziehungsbemühungen haben sich noch nicht im Unterbewusstsein verankert, sie sind in nullkommanix vergessen. Konsequenzen? Was war das noch mal? Wen interessiert es, was in 2 Minuten oder noch später passiert. Das Leben ist JETZT. 


Nicht dass Ihr denkt, ich ließe mir vor ihr anmerken, wie sehr es an meinen Nerven zerrt. Ich hatte diese Phase erfolgreich verdrängt, nachdem meine Mittlere sie vor 11 Jahren hinter sich gebracht hat. 

Aber etwa zehnmal am Tag mache ich heimliche Atemübungen, um ruhig zu wirken. Und jetzt so ganz unter uns ... OH MEIN GOTT.

Wenn Blicke töten könnten. 



Mich - als erfahrene und gelassene Mutter - beeindruckt das natürlich überhaupt nicht. (*HÜSTEL*)

Nichtsdestotrotz muss ich an dieser Stelle meine Bewunderung aussprechen. Für den Enthusiasmus, den ungebrochenen Willen, die ungehemmten Emotionen, den Mut, die Unbeeinflussbarkeit und die immensen Kräfte. Ich hoffe, dass sie sich das noch lange erhält (aber BITTE an anderer Stelle auslässt).

Mitten drin im Kinderthema und als stolze, frischgebackene Tante eines kleinen Jungen, der mit dem Sternzeichen Widder seinen Eltern auch wenig Hoffnung auf eine reibungslose und entspannte Erziehung gibt, veröffentliche ich in den nächsten Tagen die Plotterdatei "Ommm" sowie ein neues ebook-Paket für kleine Weltbeherrscher.

Mehr Infos dazu bekommt ihr noch - jetzt brühe ich mir erst mal eine Baldriantee auf. 
Prost. Und OMMMMMM.




Montag, 9. März 2015

Weltfrauentag - Du bist eine Frau? Herzlichen Glückwunsch.

Ich habe einige Beiträge zum Weltfrauentag gelesen.

Da werden Kinder zwischen Meetings geboren, Frauen generell unterbezahlt und sowieso ist alles ungerecht.


Sicher ist es nicht leicht als Frau – vor allem wenn man zusätzlich noch Mutter ist. Ich habe meine eigenen Erfahrungen gemacht und auch wenn ich mich jetzt in die Nesseln setze mit diesem Beitrag – ich möchte es gerne gesagt haben. Es ist nicht alles ungerecht.
 
Zunächst vorweg als Einführung:
Ich bin eine Frau. Ich bin 44 Jahre alt und habe Kinder. Und zu allem Überfluss bin ich auch noch blond.
Jetzt könnte ich weinen und mich in meine Randgruppen zurückziehen oder sagen. So da bin ich.

Kein Thema: Kinderkriegen ist HARDCORE. Von der körperlichen Anstrengung, den Beschwerden und Komplikationen mal ganz abgesehen – auch die ersten Wochen mit einem Neugeborenen sind kein Spaziergang. Nichts bereitet einen darauf vor, niemand beantwortet offene Fragen, dazu kommen die körperlichen Unzulänglichkeiten, auf die ich jetzt gar nicht eingehe. Oder das Volumen.

Auch beim dritten Kind ist es nicht anders – es gibt auch bei mir noch offene Fragen, Wissenslücken. Ich lerne auch jetzt noch dazu und habe von vielen Sachen in meinem fast 16-jährigen Mutterdasein noch nie etwas gehört.
Wer dann sagt – „Ach wie nett, jetzt hast du xx Wochen Mutterschutz/ Elternzeit, ich beneide dich, du kannst zu Hause sein und kuscheln“ … nun, der weiß nicht, wovon er redet. Oder sagt nur etwas aus Höflichkeit daher, um die Sprechpause nach der Aussage zu füllen. Natürlich ist es theoretisch wunderbar, 24h mit seinem Neugeborenen zu verbringen, aber es ist in den wenigsten Fällen erholsam. 


Es gibt tatsächlich Frauen bei denen in der Schwangerschaft bis zum Ende des Mutterschaftsurlaubs einfach alles unglaublich wunderschön, entspannend, geschmeidig, kuschelig und total toll ist – aber ich sage mal geschätzte 97% der Frauen erleben das anders. (Ich hatte nach jeder Geburt innerhalb der ersten Wochen eine andere Kastatrophe ... damit es nicht langweilig wird).

Was auch keine Beschwerde sein soll! Die Geburt eines Kindes und die Wochen danach sind besonders, einzigartig – aber nicht das, was man sich so generell unter - wir kuscheln drei Wochen - versteht.

Um nun auf das „Frauenthema“ zurück zu kommen: während der Schwangerschaft mit meiner Jüngsten war ich Gesellschafterin einer PR-Agentur und war verantwortlich für den Bereich Mobile-, PC- und Konsolen-Games. ABSOLUTE Männerdomäne.

Ich wollte meine letzte Tochter mehr als alles andere. Aber ich wollte nicht zeigen, dass ich schwanger bin. Um keine Schwäche zu zeigen. Rückblickend einfach unglaublich doof. 

Ich bin zu Konferenzen geflogen in der Hoffnung, dass die Strahlung nicht schädlich ist, habe an Meetings teilgenommen mit einem voluminösen Schal vor Bauch und Brust, habe mehr für Skype-Konferenzen plädiert (kostensparend und effizient) und letztendlich immer so getan als wäre ich nicht schwanger, sondern einfach nur fett (für die, die mich gesehen haben) oder schlichtweg (ohne Angabe von Gründen) unabkömmlich und immobil (für die, die eine Geschäftsreise zum persönlichen Meeting vorgezogen haben). Meine liebe Geschäftspartnerin Ariane hat mich vom Büro mit Blasensprung in die Klinik gefahren. Auf der Fahrt dahin habe ich noch Verträge unterzeichnet.

Aber wie schade sage ich heute. Wie arm, dass ich mich nicht getraut habe zu sagen: Hey Leute – ja, ich bin schwanger und kriege mein drittes Kind und ich bin deswegen kein bisschen weniger intelligent, einsatzbereit, motiviert oder effektiv. Es hat nicht mal jemand behauptet, das traurige ist dass ich gedacht habe, es könnte jemand denken.


Jetzt kenne ich die gesamte Bandbreite – von Hoffnung, Erfolg, Sorge über Ärger, Wut, Erschöpfung und Konsequenzen. Gut, jetzt weiss ich es, jetzt würde ich es anders machen. Damals habe ich es mich nicht getraut.

JETZT
würde ich mit Freude und Stolz in die Welt hinausrufen, dass ich schwanger bin. Ob zum ersten, dritten oder siebten Mal.
Ich würde voller Freude und Stolz die Geburt meines Kindes bekannt geben. Ob es alle Chromosomen hat oder ein paar mehr oder weniger – ich würde schreien vor Freude.
Und ich würde genauso ein wenig später mit Freude und Stolz bei Vorstellungsgesprächen stehen und sagen: ICH bin GENAU DIE RICHTIGE für ihren Job: Ja, ich BIN eine FRAU. Ja, ich HABE KINDER. So what???

Letzteres habe ich dann übrigens gemacht. Ich habe meine eigene Agentur aufgegeben und nach der Elternzeit einen tollen Job in einer Werbeagentur gefunden, deren Chef weiß, dass ich Frau UND Mutter bin (und nebenbei auch noch nähe und Schnittmuster entwerfe). Der weiss, dass mich das zu einem extrem flexiblen und pflichtbewussten Arbeitnehmer macht. Der weiss, dass ich auch einmal Fehlzeiten habe, aber dass ich mich darauf nicht ausruhe, sondern dass ich alles nachhole oder vorher organisiert habe. Der mir aufgrund meiner Ausbildung mehr als das Durchschnittsgehalt zahlt und nicht in etwa abzieht, weil ich Frau UND Mutter bin.
Der meine Leistung honoriert. Bei dem ich mit Freude Teil seines Teams bin.

Was ich euch jetzt sagen möchte?
Wir haben Weltfrauentag.
Du bist eine Frau?
Herzlichen Glückwunsch – sei stolz darauf.
Du kannst jetzt sagen – oh Gott, ich werde durch das Kinderkriegen diskriminiert und hinten angestellt. 


Du kannst aber auch sagen: Wahnsinn – ich kann auch noch Kinder kriegen! Und mich zusätzlich für den Job qualifizieren, der mir zusteht. Für den ich gearbeitet habe, für den ich eine Ausbildung gemacht oder studiert habe. Klar musst du eine Betreuung organisieren – aber hey. 

Sei was du bist, mach was du kannst, fordere was dir zusteht, arbeite an dir, leiste, zeige Einsatz.
Männer haben das nicht. Männer können „nur“ arbeiten. Naja und PAPA sein (der wahrscheinlich phantastischste Job der Welt) :)


Aber wir Frauen. Wir sind nicht benachteiligt. Wir können auch noch Kinder kriegen! Wie phantastisch ist das bitte.

Und jetzt mal ganz ehrlich. Ihr kämpft für eure Kinder wie Löwinnen. Ihr ermöglicht ihnen Ausbildung, besondere Kurse, ihr sorgt dafür, dass sie gefördert werden.
KÄMPFT doch auch mal für euch!!! Euch selbst. Für das, was ihr schon immer machen, sein, haben oder ausprobieren wolltet.
KÄMPFT!
Ich bin sehr stolz auf das, was ich tagtäglich von euch lese - weiter so und noch ein bisschen mehr. Tut etwas für euch. Nur ein bisschen. <3