Freitag, 18. September 2015

Jetzt sind wir mal streng. Oder: die perfekte Kindererziehung.

Allein Kinder ins Bett zu bringen ist ja schon eine Wissenschaft für sich.

Es gibt Mütter, die es tatsächlich so gut haben, dass sie ihre Kinder einfach nur hinlegen und sie entschlummern friedlich bis zum nächsten Aufwachen. 

Und dann gibt es mich.

Kinder stehen nachts oft und gern auf. Die Großen nicht mehr (Teenager sind ja glaube ich nachts im Komaschlaf), aber Ein- bis Dreijährige sind viel unterwegs. 

Ich bin ja nun keine Neumutter - sprich, meine erste Tochter wurde geboren als ich 28 war, bei meiner dritten war ich 41. Aber beim ersten Kind treibt man recht hilftlos dahin - dümpelt zwischen supertollen Ratschlägen anderer, Buchempfehlungen oder online Ratschlägen herum ... bis man dann endlich als erfahrene Zweit-, Dritt- oder Viertmutter weiss, was man selbst und auch die Kinder wirklich wollen.

Nämlich ganz schlicht und einfach: NÄHE.

Habe ich bei meiner ersten Tochter damals noch das heiss empfohlene Buch "Jedes Kind kann verdammt noch mal schlafen lernen und wenn es das letzte ist, was ihr gemeinsam macht" angetestet (Schatz verzeih mir, einmal Haare abrasieren hast du gut), so bin ich bei meiner dritten Tochter nach meinem Bauchgefühl gegangen. Und das war richtig. Einfach nur schön.
Wenn ihr euch jetzt fragt: meine zweite hat einfach so geschlafen. Da hab ich gar nichts machen müssen, die Süße.

Bei Kind Nr. 3 war der Ablauf: Kind ins Bett legen, es schläft, wacht auf, weint, ich trage es herum, bin wahnsinnig müde, mein Mund trocken vom Kinderlieder vorsingen, in meinem Kopf zähl ich die verbleibenden Schlafstunden nach, werden immer nervöser und schließlich: wir gehen in mein Bett und schlafen glücklich ein und durch.

Nach dem dritten Mal gehen wir gleich von Punkt 4 auf 10.


Das Gute ist: die Kinder, die ich in meinem nächsten Leben bekomme, können sich schon richtig freuen. Wir werden eine rundum geschmeidige Zeit haben. 

Und noch eine kurze Entwarnung für diejenigen, die ihre eheliche Privatsphäre gefährdet sehen: Keine Sorge! Nicht nur, dass es spannende Ausweichorte für Begegnungen gibt - es gibt auch andere Zeitfenster und Möglichkeiten, z.B. das Kind umzubetten, weil es einfach total tiefenentspannt schläft.

Tatsache ist: Das erste Kind führt einen in ungeahnte Welten. Man ist unsicher, hat keinerlei Erfahrungswerte. Von jeder Seite bekommt man mehr oder minder überzeugende oder auch andere  Erziehungsvorschläge, die einem teilweise - kommen sie auch noch von den eigenen Eltern - das Blut in den Adern gefrieren lassen. Man will alles richtig machen. Total professionell und total pädagogisch.

Das Ergebnis ist jedoch unbefriedigend und überhaupt muss man ja selbst mit alledem leben - oder die Nächte verbringen - wozu also überhaupt jemand anderen fragen, was das beste ist?

So. Und da werde ich - mit geschmeidigen 41 zum dritten Mal Mutter und plötzlich - plötzlich ist mir alles so SONNENKLAR. Sicher liegt es nicht an einer plötzlichen Eingebung sondern einfach nur daran, dass ich denke: lass mal laufen. Wir nehmen das alles jetzt einfach so, wie es kommt. Das Baby weint? Ich hab sicher keine Lust irgendwelche wochenlangen Trainings am Bettchen durchzuführen, bis es aufgibt. Oder ich. Wir wollen beide glücklich sein. 

Ich glaube, ich habe noch nie im Leben ein Kind so entspannt bekommen. Und genau dieses kleine Mädchen ist mein entspanntestes Kind. Manchmal möchte sie bei uns einschlafen und später tragen wir sie in ihr Bett. Manchmal wacht sie auf wegen ... ihr wisst schon ... "Monstern", dann kommt sie zu uns und schläft dort weiter.


Und immer öfter schläft sie direkt bei sich im Bett ein und ich muss sie morgens für den Kindergarten sogar wecken.

Und versteht mich nicht falsch - ich erlaube beileibe nicht alles. Wenn ich sage nein, ist das ein nein. Aber Kinder brauchen Nähe. Und meine Jüngste ist durch die Gesamtsituation so entspannt, so glücklich rundum, fühlt sich so aufgefangen, so verstanden, dass sie locker ein nein akzeptiert, wenn sie etwas nicht darf. Sie versteht das. Weil ich sie auch verstehe.

Also: Nähe zulassen. Nachts muss es keine Regeln geben.

Verdammt. Man sollte gleich das dritte Kind kriegen.
Und: schade, dass ich mit 44 schon zu alt bin für weitere Kinder - ich wäre grad so gut drin. 







Kommentare:

  1. Das hast du total genial geschrieben. ...ich habe zwar nicht den Vergleich zu Kind 2 und 3....habe es aber beim 1 dann auch endlich hingekommen. ...so zu entscheiden wie mein mann und ich es für richtig halten. ...egal was andere sagen. ..."er schläft noch bei euch im bett" "er ist immer noch nicht trocken" "er spricht nicht wirklich viel".........und was soll ich sagen. ...er schläft mittlerweile in seinem bett...und hin und wider bei uns " Monster"....:-D.....er ist von alleine ohne Topf trening und denken. ...Tag und Nacht zusammen trocken geworden. ....und die schnutte steht nicht mehr still....auch wenn die Aussprache noch nicht perfekt ist. ....das wird auch noch. .....deinen beutrag hätte ich als neu mutti vor 3 Jahren lesen müssen dann wäre ich vielleicht schon vorher zur ergäntniss gekommen. ...lass die anderen reden. ...:-D.....Danke danke. ....♡

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  2. Kann ich genauso unterschreiben. Wie oft denk ich: Man, hätteste das mal beim 1. Kind auch gleich so gemacht...vieles wäre wohl wirklich entspannter gelaufen. Aber dann eben jetzt :)

    Liebste Grüße
    Jane :)

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  3. Ich liebe deine Beiträge ... du hast eine so unterhaltende Art zu schreiben SUPER genau wie deine Schnittmuster <3 Wenn du mal ein Buch schreibst ... ich kauf es !!!
    Liebe Grüße
    Christa :-)

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  4. Ich musste eben auch schmunzeln, denn irgendwann lag Nr.1 dann schon bei uns im Bett, weil das für uns ok war und wir trotz aller Unkenrufe das Schlaftraining nicht durchziehen wollten. Schaden genommen hat er dadurch augenscheinlich keinen und er schläft auch schon ganz lange im eigenen Bett. ; ) Bei Kind2&3 haben wir dann gleich geschaut, wieviel Nähe das Kind braucht, was definitiv für uns die beste Lösung war. Ich würde sofort unterschreiben, dass jeder herausfinden muss, was für ihn und sein Kind am besten ist.
    Das vergessen leider sooo viele, dass es immer mehrere Möglichkeiten gibt mit ein und derselben Situation umzugehen - und dann wird sich die Augen ausgehackt. Schade eigentlich.
    Mach bitte weiter so mit deinen Beiträgen. Es macht einfach Spaß deine Posts zu lesen.

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  5. Du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Gibt es Regeln, gibt es Gesetze wann ein Kind trocken sein muss oder den Schnuller nicht mehr haben darf ??? .....NEIN!!!!!!
    Jedes Kind ist anders, jede Familie ist anders.
    Meine Kleine wird bald 4 ( auch mein 3.). Seit einem Jahr trocken, richtig trocken mit wenigen Ausnahmen. Gut. Nur das grosse Geschäft wollte nicht in die Toilette, warum auch immer. Es gab eine Ankündigung und Windel rum und gut. Ohne Stress ohne Druck liess ich ihr Zeit. Und jetzt alles super. Nix mit Windeln. Und es geht selten was daneben und sie geht " gerne" aufs Wc.Ich musste mir auch einiges anhören, wieso, warum ist sie krank, warum machst du das so???!!! Ich habe bei den ersten beiden Kinder auf viele Leute gehört. Jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus.
    Jedes Kind ist individuell. Wenn wir einen Rahmen schaffen in dem das Kind sich frei und ungezwungen bewegen und Vertrauen kann, geht manches wie von allein. Und wir werden staunen.

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  6. Traumhaft! Du hast mir meinen Tag versüßt! Ich habe lang vor meine Überzeugung kämpfen müssen und mir mit sämtlichen Urstrumpftanten erbitterte Pro/Contra-Diskussionen geliefert. Wenn jetzt jmd fragt kriegt er zu hören: "Spätestens wenn er die erste Freundin hat, wird er wohl im eigenen Zimmer schlafen" ;)
    Dasselbe in rosa mit der Prinzessin....

    Ich glaub ja, dass die alle bloß neidisch sind, weil das früher ja verpönt war, dass die Kinder mit im Bett schliefen und Wettstreite ausgetragen wurden, welches schneller trocken war....
    Ohne Worte....

    Ich wünsch dir ein herrliches Wochenende!

    PS: Wir waren mitten im "Trockenwerden" (ohne Zwang) als Oma meinte sich einmischen zu müssen gegen seinen Willen - plötzlich ging gar nichts mehr,.... tja, das ist ihr eine Lehre gewesen...

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  7. So schön geschrieben ❤️ Und so war! Wir sind mit dem "Mittelweg" gut gefahren. Die Kids schlafen in ihrem eigenen Bett, in eigenen Zimmer. Aber wenn einfach nur Nähe hilft, dann ging es mit zu uns. Und so haben wir das Glück, zwei Schlafkinder zu haben 😍.
    Danke für die schönen Zeilen ☺️
    Lieben Gruß, Sandra

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  8. Wunderbar!!! Danke Dir für diesen Beitrag und nun werde ich in den Schlaf gesungen bzw "hineingeschnarcht" und zwar von meiner Kleinen. Sie schläft gerade neben mir! <3

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  9. Klasse.
    Okay,wir haben zwar "nur" zwei Kinder aber, meine beiden schlafen tatsächlich noch nicht "wirklich" durch. Bei uns gab es 4 Jahre ein Familienbett. Nach dem Umzug gab es das 1 Bett für beide Kinder :).
    Dort schlafen sie auch ein. Kind Nummer 2 wird in Schlaf geschaukelt und Nummer 1 wird geknuddelt und CD gehört ♡. Und nachts kommen beide rüber.
    Bei Nummer 3 wenn wir Glück haben sollten...werde ich auch entspanntet. *hoffentlich* ��

    Liebste Grüße
    Sandra

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